Romy Sigl von Coworkingspace Salzburg über Coworking in Österreich, Coworking Camps, Unternehmertum in Salzburg und Österreich, Powerfrauen und die UnternehmerInnen der Zukunft.
Romy Sigl - © Coworkingspace Salzburg.

"Mich haben Unternehmer schon immer beeindruckt.

Der Freiheitsgrad im Tun und der Zeiteinteilung ist es,
das mich am meisten begeistert."


(Romy Sigl)

Romy Sigl im Coworkingspace Salzburg - © Andreas Hechenberger.

Romy Sigl im Coworkingspace Salzburg - © Andreas Hechenberger.

/1/ Über Coworking in Österreich und was Romy Sigl bewegt hat, einen Coworking Space zu gründen. Gedanken zur Sharing Economy im Offline.

 


/2/ Warum ein Zusammenarbeiten wichtig ist und was das Wunderbare an Coworking und Coworking Camps ist.

 

 

/3/ Die Zukunft gehört den Powerfrauen. Wie man Unternehmertum unter Frauen noch mehr stärker kann.

 

 

/Add-on/ Was Unternehmen machen sollten und was die UnternehmerInnen der Zukunft auszeichnen wird.

 

 

 

------------------------------------------------------

 

Romy Sigl ist Gründerin des CoWorking Space Salzburg
und veranstaltet auch immer wieder internationale Coworking Events für GründerInnen und UnternehmerInnen
und ist nebenbei auch Lehrbeauftrage für Marketing, Design und Präsentationstechniken an der FH Salzburg.


------------------------------------------------------

Romy Sigl im Coworkingspace Salzburg - © Andreas Hechenberger.

 

/1/

-

"(...) Alleine selbstständig sein wollte ich aber auch nicht. Da habe ich vom Konzept Coworking gehört und war sofort begeistert."

-


Wie sind Sie auf den Gedanken gekommen, ein Coworking Space zu gründen?

Mir ist das Agenturleben auf die Nerven gegangen. Alleine selbstständig sein wollte ich aber auch nicht. Da habe ich vom Konzept Coworking gehört und war sofort begeistert.

 

Wie viele Coworking Spaces gibt es schon in Österreich?

Irgendwann habe ich aufgehört die genauen Zahlen jeden Monat zu überprüfen. Ich schätze es sind in der Zwischenzeit 1-2 in jeder Bundeshauptstadt und ca. 15 in Wien.

Das Wort ist aber auch gerade sehr modern und jede neue Bürogemeinschaft nennt sich gerne auch Coworkingspace.

 

Wie groß schätzen Sie das Marktpotential für weitere Coworking Spaces in Österreich ein?

 

Ich glaube an ein langsames Wachstum und das ist gut so. Jene Coworkingspaces die es ernst meinen und ihrer Community einen Mehrwert bieten werden sich durchsetzen. Alle anderen werden wohl schnell wieder verschwinden.


-

"Wir arbeiten an einem Franchise System für Coworkingspaces."

-


Haben Sie In Österreich Expansionspläne - Gedanken zukünftig weitere Coworking Spaces zu eröffnen?

Wir arbeiten an einem Franchise System für Coworkingspaces. Es ist sinnlos wenn alle Betreiber bei Null anfangen und die selben Fehler machen wie wir. Das wollen wir abkürzen und den Beteiligten damit viel Zeit, Geld und Nerven sparen.

/2/

-

"Wir teilen mehr als nur das Office, manchmal ein Auto oder Sportausrüstung oder Essen.

Ich glaube Coworker sind per se sehr entspannte Menschen die lieber gemeinsam geile Dinge haben/nutzen/machen als langweilig daheim auf ihrem Besitz zu hocken – das Leben ist zu kurz."

-

Ist Coworking die Ergänzung im Offline zu im Internet praktizierter Kollaboration, wie der sogenannten Sharing Economy?

Ja klar, kann man so sehen. Nur dass man sich hier tatsächlich auch sieht und nicht stumm schalten kann. Wenn es mir zu viel wird, lege ich einen Home Office Tag ein.

Wir teilen mehr als nur das Office, manchmal ein Auto oder Sportausrüstung oder Essen. Ich glaube Coworker sind per se sehr entspannte Menschen die lieber gemeinsam geile Dinge haben/nutzen/machen als langweilig daheim auf ihrem Besitz zu hocken – das Leben ist zu kurz.

 

-

"(...) Ziel ist es „Macher“ zusammen zu bringen und eine Woche intensiv an deren Ideen / Projekten / Produkten zu arbeiten.
Es ist wunderbar zu beobachten wie sich Menschen gegenseitig weiter helfen und motivieren. (...)"

-

Sie machen auch Coworking Camps außerhalb von Österreich - welche Termine stehen diesbzüglich an welchen Orten 2014 an?

Die Idee ist es immer wieder Think Tanks in Form von Coworking Camps an energetisch tollen Plätzen dieser Erde zu veranstalten.
Das erste Coworking Camp findet von 23.März bis 30.März 2014 in El Gouna am roten Meer statt.

Ziel ist es „Macher“ zusammen zu bringen und eine Woche intensiv an deren Ideen / Projekten / Produkten zu arbeiten.
Es ist wunderbar zu beobachten wie sich Menschen gegenseitig weiter helfen und motivieren.

Nicht selten kommt durch viel Fragen von Außenstehenden am Ende etwas ganz anderes heraus als in der Ursprungsidee beschrieben.

 

-

"Wir können nur immer wieder mit gutem Beispiel voran gehen und den Kooperationsgedanken leben - das heisst Kontakte herstellen. Warum? Die Möglichkeit vom einem mit verursachten Erfolg eines Netzwerkpartners zu profitieren ist in jedem Fall höher als wenn dieser keinen Erfolg hat. Das bringt niemandem etwas."

-

Wie steht es um das Unternehmertum in Salzburg? Wie kann die Gründerszene in Salzburg verbessert werden?

Wir haben in den letzten 2 Jahren ein Netzwerk an extrem guten Experten / Selbstständigen aufgebaut, die sich gegenseitig schätzen und Stärken der Einzelnen kennen.

Potenzial gibt es noch bei der Hebelwirkung im „sich gegenseitig vorwärts bringen“ - z.B. in Form von Mundpropaganda zu möglichen Kunden oder Medien. Da ist sich leider jeder selbst wie immer noch der Nächste und auf Vorteile für andere wird schnell vergessen.

Wir können nur immer wieder mit gutem Beispiel voran gehen und den Kooperationsgedanken leben - das heisst Kontakte herstellen. Warum? Die Möglichkeit vom einem mit verursachten Erfolg eines Netzwerkpartners zu profitieren ist in jedem Fall höher als wenn dieser keinen Erfolg hat. Das bringt niemandem etwas.


-

"Gegenwärtig tummeln sich mehr als 50 Unternehmungen in und um den Coworkingspace."

-

Wie ist das Verhältnis zur lokalen und regionalen Politik - sieht diese die Potenziale von Coworking betreff Unternehmertumsstärkung und Gründerszenenstärkung via Schaffung von Zusammenarbeitspotenzialen und Nutzung von gemeinsamer Infrastruktur für UnternehmerInnen an einem Ort?

In wenigen Tagen findet ein Gespräch mit lokalen Entscheidungsträgern diesbezüglich statt. Ich denke, wir mussten die letzten 2 Jahre aufzeigen, welches Potenzial hier schlummert. Das haben wir gemacht.

Gegenwärtig tummeln sich mehr als 50 Unternehmungen in und um den Coworkingspace. Ich bin gespannt ob diese Zeichen unserer Zeit nun auch in anderen Kreisen verstanden und als Chance gesehen werden.

-

"(...) Erfolgsgeschichten, die Mut machen und damit meine ich nicht nur Erfolg im Sinne von Umsatz und Mitarbeiterzahlen, sondern von Inspirationskraft und Sinnstiftung (und das nicht nur bei Frauen)."

-

/3/

Powerfrauen. Frauen haben in Europa noch ein starkes Potential betreff Unternehmertum - wie kann man speziell betreff Frauen Unternehmertum fördern?

Schritt 1 wäre getan, Frauen sind hierzulande genau so gut gebildet wie Männer.
Schritt 2: Frauen sollten sich dessen bewusst werden und ihr Leben selbst in die Hand nehmen wollen, mit allen menschlichen Schwierigkeiten und Erfolgserlebnissen.
Konkret: alle „frauentypischen“ Ausreden beseitigen: Einkommensgleichheit, Kinderbetreuung, Frauenquoten (z.B. auch bei Podiumsdiskussionen und Auswahl von Vortragenden), Berichterstattung:
Erfolgsgeschichten, die Mut machen und damit meine ich nicht nur Erfolg im Sinne von Umsatz und Mitarbeiterzahlen, sondern von Inspirationskraft und Sinnstiftung (und das nicht nur bei Frauen).

 

-

"Unsere Coworker arbeiten zu 80% ihrer Zeit am Computer, das heisst wir sind digitale Nomaden und können so gut wie von überall aus arbeiten - vorausgesetzt Internetzugang."

-


Aus welchen unternehmerischen Bereichen kommen die Nutzer des Coworking Space Salzburg? Wie wichtig ist Ihnen ein Mix an unterschiedlichen Unternehmen vor Ort?

Unsere Coworker arbeiten zu 80% ihrer Zeit am Computer, das heisst wir sind digitale Nomaden und können so gut wie von überall aus arbeiten - vorausgesetzt Internetzugang.

Wir sind aber vor allem auch eines, soziale Wesen und ziehen es bei aller Freiheit dann doch wieder vor einen Ort zu haben, an dem bewusst gearbeitet wird. Das Feedback von anderen hilft Einzelkämpfern sich „erden“ zu können (egal ob positiv oder negativ) und zu sehen, dass es anderen ähnlich geht - dies mit Kunden, Stundensätzen, Finanzen, Menschen, ...

Bodenhaftung ist wichtig.

Welche persönliche Eigenschaft ist aus Ihrer Sicht für Unternehmertum wichtig?

Es sind 3: Begeisterungsfähigkeit, Mut und Ausdauer.

 

-

"(...) Und wenn du das regelmäßig machen willst, dann mache es nachhaltig und lass dir ein Geschäftsmodell einfallen.
Da fängt für mich Unternehmertum schon an.
Nicht jammern sondern machen."

-

Wie kann man die Unternehmertumkultur in Österreich zukünftig beleben? - An was mangelt es in Österreich betreff Unternehmertum aus Ihrer Sicht? Wie könnte man Unternehmertumbestrebungen in Österreich verbessern?

Ich denke da an Bewusstseinsbildung die schon m Kindergarten und in der Schule anfängt.
Man sollte Kindern vorleben, dass die Dinge nicht selbstverständlich sind.
Dass es fairen Wohlstand nicht vom Himmel regnet und dass wir glücklich sein sollten in einer Region mit extrem hoher Lebensqualität geboren worden zu sein (Natur, Wasser, Frieden, Wohlstand, Strom, Bildung, Internet,...).
Wenn du hier auf Umstände stößt die du verbessern willst – dann mach das.
Und wenn du das regelmäßig machen willst, dann mache es nachhaltig und lass dir ein Geschäftsmodell einfallen.
Da fängt für mich Unternehmertum schon an.
Nicht jammern sondern machen.


Dafür bin ich dankbar und gleichzeitig stolz.

Romy Sigl bei einem Coworkingspace Salzburg Event in Aktion - © Patrick Langwallner.

-

"Ich bin selbstständig seit ich 19 bin.
Mich haben Unternehmer schon immer beeindruckt.
Der Freiheitsgrad im Tun und der Zeiteinteilung ist es, das mich am meisten begeistert."

-

Was hat Sie motiviert, selbst unternehmerisch tätig zu werden?

Ich bin selbstständig seit ich 19 bin.

Mich haben Unternehmer schon immer beeindruckt. Der Freiheitsgrad im Tun und der Zeiteinteilung ist es, das mich am meisten begeistert.


-

"Menschen, die aber mit Freiheit umgehen können und daran wachsen, die Herausforderung lieben und keine Angst davor haben sich immer wieder neu zu erfinden, andere begeistern können, für jene gibt es keinen besseren Lebensstil als den des Unternehmers."

-

Was war Ihre größte Erfahrung in Bezug auf Unternehmertum bisher? Welche Tipps würden Sie jungen UnternehmerInnen, die erst am Start sind geben?

Ich spreche viel mit Leuten, die sich selbstständig machen wollen oder gerade dabei sind.

Ein Patentrezept für Erfolg gibt es natürlich nicht. Menschen, die große Angst vor dem Ungewissen haben, die alles kontrollieren wollen, nicht schlafen können wegen Sorgen wo die Kunden her kommen sollen. Solchen Menschen kann ich nicht dazu raten ein Unternehmen zu starten.

Menschen, die aber mit Freiheit umgehen können und daran wachsen, die Herausforderung lieben und keine Angst davor haben sich immer wieder neu zu erfinden, andere begeistern können, für jene gibt es keinen besseren Lebensstil als den des Unternehmers.

 

 

/Add-on/


-

"Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern ermöglichen auch von Coworkingspaces aus zu arbeiten."

-

 

Coworking Spaces sind oft urban, somit in Städten angesiedelt. Könnten Coworking Spaces aus Ihrer Sicht auch ländliche Regionen stärken oder
bedarf es Ihrer Meinung nach Ballungsräume und eine kompakte, urbane Heterogenität für Coworking Spaces? Was wären aus Ihrer Sicht Vorteile und was Nachteile betreff Coworking Spaces im ländlichen Raum?

Am Land können Coworkingspaces eine andere Zielgruppe ansprechen - nämlich die der Pendler. Viele Stunden, die Pendler auf der Straße verbringen, könnten so sinnvoller genutzt werden.

Unternehmen sollten ihren Mitarbeitern ermöglichen auch von Coworkingspaces aus zu arbeiten. Auch wir haben sogenannte Telearbeiter (z.B. von Firmen aus Schweden und Frankreich) bei uns im Coworkingspace sitzen. Die Produktivität ist zu 100% gegeben.

Vertrauen und Flexibilität sind ein großer Motivator für Mitarbeiter.

 

Haben Sie eine Person als unternehmerisches Vorbild und wenn ja, welche?

Nein, mich inspirieren aber Gespräche mit unterschiedlichsten Menschen auf der ganzen Welt.

 

Do more of what makes you happy - Leitmotto im Coworkingspace Salzburg.

Unternehmertum bedeutet für mich...

an nichts auf der Welt mehr Interesse und Spaß zu haben als an der eigenen Unternehmensidee von der man bewusst leben kann.

 

Was wird den Unternehmer bzw. die Unternehmerin des weiteren 21. Jahrhunderts auszeichnen?

Kreativität.

 

 

Romy Sigl im Web:


/+/ Coworkingspace Salzburg

/+/ Coworkingcamps

 

 

Coworkingspace Salzburg: Innenansicht Panorama © Coworkingspace Salzburg.
Coworking: Gemeinschaft und Spaß bei der Arbeit © Coworkingspace Salzburg.