Mr. Content. Roland Kreutzer über die Internet-Pionierzeit. Content Services und Online-Marketing. Fotografie, Autos und den Wiener Charme. Unternehmertum. Die Zukunft des Internets.
Roland Kreutzer - © Roland Kreutzer / Imaginer.at

"Der Unternehmer des weiteren 21. Jahrhunderts wird sicher noch mehr Teamplayer sein müssen,
weil Kommunikation wichtiger wird
und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen steigen wird.

 

 

Technologie wird auch ein immer relevanterer Faktor.

Ansonsten muss er aber weiterhin einfach Unternehmer sein."


(Roland Kreutzer)

/1/ Warum ein Pionier mit Visionen dran bleiben muss.


/2/ Wie man am Beginn aus dem Nichts Ordentliches für Kunden erzeugt und etwas Großes schafft.

Wie Unternehmertum in Österreich verbessert werden könnte.

 

/3/ Über die Zukunft des Internets und des Online-Marketings. Über das Internetgeschäft in Österreich und Europa verglichen zur USA.

 

/Add-on/ Warum  Autos ein komplexes Thema sind. Warum Fotografie ein guter Gegensatz zur Technik ist. Warum der Wiener Charme ein Anreiz für Wien ist.

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Der Wiener Roland Kreutzer ist Geschäftsführer bei Tripple Internet Content Services. Als ambitionierter Fotograf ist er weiters unter Imaginer.at im Netz vertreten, nebenbei lehrt er an der FH Wr. Neustadt, Donau Universität Krems und ist in diversen weiteren Lehrgängen aktiv. Er hat sich als Präsident und im Präsidium des Internet Advertising Bureaus Austria für eine Stärkung des Onlinemarketings eingesetzt.


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/2/

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"Zum Beginn gab es einfach nichts, d.h. wir mussten uns von der Technik bis zum Inhalt und dem Werbeverkauf um alles kümmern. Und wenn man es schon selbst macht, dann gleich ordentlich – auch für Kunden."

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Bei Betrachtung Ihres Unternehmens fällt auf, dass dieses recht breitgefächert aufgestellt ist und von Content Services bis zur Vermarktung viele Bereiche an einem Ort verknüpfend aufnimmt. Ist diese solide, breite Positionierungsstrategie, bei der viele Services sich ergänzend wie ein Netz im Internet verbinden, der Grund für den langen Erfolg?

Das hat zwei Seiten: Einerseits ist das historisch bedingt. Zum Beginn gab es einfach nichts, d.h. wir mussten uns von der Technik bis zum Inhalt und dem Werbeverkauf um alles kümmern. Und wenn man es schon selbst macht, dann gleich ordentlich – auch für Kunden.

Und die zweite Seite ist, dass man bei eigenen Dienstleistungen und Synergien dazwischen natürlich schneller und besser anbieten kann, als wenn man die Hälfte von Subunternehmern, Zulieferern oder der Cloud holt.

So stehen alle unsere Server in eigenen Serverräumen in Wien, laufen auf eigener Software, die man rasch anpassen kann und bieten Inhalte aus eigener Redaktion. So können wir für den heimischen Markt angepasste Lösungen bieten – der ist nämlich ganz anders entwickelt worden, als internationale Beispiele, und braucht demnach auch andere Angebote.

Mit einem internationalen Adserver würden wir beispielsweise die Anforderungen in Österreich nur schwer und langsam umsetzen können. Gleiches gilt für Content-Quellen und mehr.



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"Durch die Reichweite des Internet insgesamt und die große Anzahl an Websites, die unsere Werbung ausspielen, erreichen wir aber „jeden“ Österreicher – die gewünschte Zielgruppe bestimmt also eigentlich nur der Kunde."

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Ihre Contentservices vermarkten Sie in Folge mit Ihrem ad-locator.net, der sich als "erster unabhängiger Vermarkter im Internet mit 4.7 Mio. User Reichweite in Österreich" beschreibt. welche Zielgruppe dieser Useranzahl ist für Ihr Unternehmen dabei am interessantesten?

„Alle“ trifft es am besten. Wir bündeln die Zielgruppen zwar in verschiedene Pakete, Jugend und Business, Wellness oder Auto sind beispielsweise gerne auch innerhalb dieser Gruppe gebucht.

Durch die Reichweite des Internet insgesamt und die große Anzahl an Websites, die unsere Werbung ausspielen, erreichen wir aber „jeden“ Österreicher – die gewünschte Zielgruppe bestimmt also eigentlich nur der Kunde.

Viele Kampagnen sind aktuell aber auf die Reichweite aus, weniger auf spezielle Zielgruppen. Zur günstigen Verlängerung von TV-Werbung etwa. Andere nutzen „Targeting-Filter“, um etwa speziell nur die iPad-User zu erreichen.

 

 

Unternehmertum ist komplex und schafft durch tun auch Erkenntnisse - was würden Sie heute anders machen, wo sagen Sie. "Da ist meine Strategie voll aufgegangen!"?

Das ist immer eine schwere Frage. Ich bin vermutlich von meiner Grundeinstellung zu sozial und zu wenig auf hartes Business ausgelegt und sicher auch kein Schuhverkäufer, der jedem alles andrehen kann – als Unternehmer könnte ich noch erfolgreicher sein, wäre ich es. Ob ich das will, ist aber eine andere Sache (zwinkert)

Wenn ich was finden müsste, dann hätte ich eine frühzeitige Expansion in die Nachbarländer vielleicht machen können. Oder die eine oder andere Blase rund um 2000 gründen und teuer verkaufen können. Ob einem so etwas weiter bringt oder gebracht hätte, läßt sich aber nicht sagen – drum lass ich das auch lieber...


Welche persönliche Eigenschaft ist aus Ihrer Sicht für Unternehmertum wichtig?

Ich denke fachliche Qualifikation ist da genauso wichtig wie unternehmerisches Denken und der Drang zu Eigenverantwortung. Freiheit, aber auch starke Forderung und Involvierung treffen da aufeinander, das muss man aushalten und wollen ...

 

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"Der Unternehmer des weiteren 21. Jahrhunderts wird sicher noch mehr Teamplayer sein müssen, weil Kommunikation wichtiger wird und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen steigen wird."

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Was wird den Unternehmer des weiteren 21. Jahrhunderts auszeichnen?

Der Unternehmer des weiteren 21. Jahrhunderts wird sicher noch mehr Teamplayer sein müssen, weil Kommunikation wichtiger wird und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen steigen wird.

Technologie wird auch ein immer relevanterer Faktor.

Ansonsten muss er aber weiterhin einfach Unternehmer sein.

 

 

Haben Sie eine oder mehrere Person(en) als unternehmerisches Vorbild und wenn ja, welche?

Viele verschiedene in verschiedensten Aspekten – aber kein großer Name, der als klassisches Vorbild herhalten könnte.


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"Inhabergeführte KMU, die in ihrem Bereich erfolgreich sind, imponieren immer."

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Welche anderen österreichischen Unternehmen finden Sie interessant?

Da gibt es zu viele, als dass man sie aufzählen könnte. Inhabergeführte KMU, die in ihrem Bereich erfolgreich sind, imponieren immer.

 

Welche anderen unternehmerischen Bereiche abseits Ihrer schon vorhandenen Themenfelder reizen Sie?

Ich bin im Bereich der Medien und Technik zuhause und fühle mich hier eigentlich wohl. Alles, was da rein fällt – und das ist ohnehin viel – ist spannend.


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"Ich habe mehrere Start-Ups mit gegründet und im Start begleitet, auch aktuell gibt es welche.

(...) In der Regel also helfe ich mit Know-How und Erfahrung, manchmal Kontakten und Schnittstellen oder vorhandenen Web-Diensten aus und halte einen Anteil am Unternehmen. Alleine die Einbettung in die eigene Medienlandschaft bringt dann allen Seiten Vorteile."

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Investieren Sie selbst auch in andere Unternehmen, wie Internet-Start-ups, oder setzen Sie am liebsten unternehmerisch selbst um?


Ich habe mehrere Start-Ups mit gegründet und im Start begleitet, auch aktuell gibt es welche. Zeitlich schaffe ich es aber nicht, mich da stärker als beratend einzubringen. Finanziell beteilige ich mich nicht an Unternehmen, dazu gibt es genug Möglichkeiten der Reinvestition bei Tripple selbst.

In der Regel also helfe ich mit Know-How und Erfahrung, manchmal Kontakten und Schnittstellen oder vorhandenen Web-Diensten aus und halte einen Anteil am Unternehmen. Alleine die Einbettung in die eigene Medienlandschaft bringt dann allen Seiten Vorteile.

 

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"Wichtig ist ein Netzwerk – Spezialisten, auf die man zurückgreifen kann, Multiplikatoren, die für Reichweite sorgen."

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Welche Tipps würden Sie jungen Internetunternehmern, die erst am Start sind, geben?


Nicht zu viel planen, sondern lieber rasch auf die Realität einstellen und auf Änderungen reagieren. Wichtig ist ein Netzwerk – Spezialisten, auf die man zurückgreifen kann, Multiplikatoren, die für Reichweite sorgen.


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"Insbesondere aber ist Know-how am Markt insgesamt notwendig, damit sich der Markt weiterentwickelt."

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Personen mit deren Know-how sind die wichtigste Kraft in Unternehmen. Sie sind auch Lehrkörper an einer Fachhochschule, einer Universität und in weiteren Lehrgängen aktiv. Sehen Sie die Lehre auch als Instrument, um Mitarbeiter in Ihr Unternehmen zu bekommen?

Ja, das ist natürlich ein Faktor. Insbesondere aber ist Know-How am Markt insgesamt notwendig, damit sich der Markt weiterentwickelt.

Es geht mir mehr darum, Österreich zu stärken und so indirekt profitieren zu können.

Meiner Positionierung hat das natürlich auch nicht geschadet, aber direkten Vorteil aus dieser Angelegenheit gibt es sicher nicht im Ausmaß des Aufwandes, der damit zusammen hängt.


Innovation ist oft der Schlüssel zum Erfolg - wie verbessern Sie Ihre Innovationsbestrebungen?

Wir haben im Internet ja schnelle Produktentwicklungszyklen, da funktioniert ein try & error gut.

Wenn es Ideen gibt, dann ist eine „Beta“-Version schnell draussen und kann sich beim User bewähren – so kann man schnell Potentiale erkennen, nachschärfen oder die Idee wieder verwerfen.

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"Die innovativsten Produkte kennt man wohl nicht unbedingt, jene erfolgreichen Vorzeigebeispiele, die oft genannt werden, perfektionieren oft nur fremde Ideen.

Die innovativsten Dinge müsste man irgendwo in den Schubladen der Ablehnungen von Finanzierern und Förderern suchen, weil sie einfach noch nicht verstanden wurden."

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Welches Produkt ist global für Sie das innovativste Produkt am Markt und warum hebt dieses sich - aus Ihrer Sicht - von anderen so stark ab?

Die Frage überfordert mich.

Die innovativsten Produkte kennt man wohl nicht unbedingt, jene erfolgreichen Vorzeigebeispiele, die oft genannt werden, perfektionieren oft nur fremde Ideen.

Die innovativsten Dinge müsste man irgendwo in den Schubladen der Ablehnungen von Finanzierern und Förderern suchen, weil sie einfach noch nicht verstanden wurden.


/Add-on/

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"Unter den Hard Facts sind dann auch noch Dinge wie fehlendes Risikokapital im Land, keine vorhandene „Szene“ für Startups und keine Leitbetriebe in ausreichender Größe, die andere mitziehen können. "

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Sie kommen aus Wien - wie steht es um Unternehmertum in Wien und was könnte verbessert werden?

Wien ist ein teurer Standort und was Unternehmer betrifft, nicht gerade ein förderlicher. Beispiel: Wir müssen Auto-Tests im Magazin machen und können nicht einmal zusätzliche Abstellplätze erhalten. Die Strukturen unserer Wirtschaft und noch mehr der Verwaltung sind alt und wenig innovationsfreundlich, dazu kommen noch Gewerbeordnung bis hin zu Ladenöffnungszeiten und Co. – bei uns ist alles eher starr und wenig kreativ, das Gegenteil eines Umfeldes, das Internetwirtschaft begünstigt.

Unter den Hard Facts sind dann auch noch Dinge wie fehlendes Risikokapital im Land, keine vorhandene „Szene“ für Startups und keine Leitbetriebe in ausreichender Größe, die andere mitziehen können.

Eigentlich kann man Startups eher raten, sich einen besseren Standort zu suchen, wenn da nicht auch noch der Charme der Stadt wäre (zwinkert).

Auf der Positiv-Seite kann man auf jeden Fall die Infrastruktur nennen und die trotz Allem lebenswerte Umgebung. Wien beherbergt auch viele nette Menschen und ist klein genug, dass man sich auch kennt und miteinander reden kann. Die Anonymität der verschiedenen Städte mit größerer Branchenszene ist da sicher schwerer im Zusammenspiel.

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"So ganz generell wäre ein Lobbying für Startups und KMU hilfreich.

Dieser für die Gesellschaft bedeutende Bereich ist in Institutionen und Entscheidungsfindungen im Staat zu wenig involviert, gleichzeitig mangelt es an Vernetzung. Alles, was da weiter hilft, ist von Vorteil."

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AustrianEntrepreneurs.com will die Unternehmerkultur in Österreich zukünftig beleben -
An was mangelt es in Österreich betreff Unternehmertum aus Ihrer Sicht?
Wie könnte man Unternehmertum in Österreich verbessern?


So ganz generell wäre ein Lobbying für Startups und KMU hilfreich. Dieser für die Gesellschaft bedeutende Bereich ist in Institutionen und Entscheidungsfindungen im Staat zu wenig involviert, gleichzeitig mangelt es an Vernetzung. Alles, was da weiter hilft, ist von Vorteil.

 

 

/1/

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"In Österreich gab es damals noch nichts dergleichen. Darum sind die Anfänge wohl auch aus dem Weiterbildungsbereich entstanden. Als junger Trainer und Referent habe ich das Thema in Firmen gebracht. Ich erinnere mich noch auf erstaunte, verwunderte und ablehnende Teilnehmer. „Das wird nichts werden“ war noch die freundlichste Antwort auf die Ideen, die damals nur eine Hand voll Menschen in Österreich verbreiten wollten..."

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Sie gelten als der Internet-Pionier in Österreich schlechthin und sind seit 1995 im Internetgeschäft tätig  -
Was hat Sie vom Internet als damals neues Wirtschaftsfeld so früh überzeugt?


Die Wurzeln meiner Aktivitäten im Internet und auch die von Tripple liegen sogar noch früher. Rund um 1992 habe ich die ersten Dienstleistungen „im Netz“ verkauft, das war damals aber noch das Fido/BBS-System, danach Microsoft Network und immer auch schon ein wenig Internet.

Den Start in den Newsgroups, WAIS-Systemen und dem beginnenden Web habe ich dann schon aus professioneller Sicht gesehen.

Spannend war das vor allem aufgrund der Erfahrungen, die die USA mit den Möglichkeiten gemacht haben – da konnte man schon abschätzen, dass ein riesiger neuer Markt entstehen würde.

In Österreich gab es damals noch nichts dergleichen.

Darum sind die Anfänge wohl auch aus dem Weiterbildungsbereich entstanden. Als junger Trainer und Referent habe ich das Thema in Firmen gebracht.

Ich erinnere mich noch auf erstaunte, verwunderte und ablehnende Teilnehmer. „Das wird nichts werden“ war noch die freundlichste Antwort auf die Ideen, die damals nur eine Hand voll Menschen in Österreich verbreiten wollten...

 

Die ersten Domains habe ich dann rund um ´94 registriert um auch Inhalte in Österreich zu haben. Content als Basis für verschiedenste Geschäftsideen, eine davon die Werbe-Vermarktung die dann ´95 begonnen hat. Auch ein Szenario, das aus den USA stammt.




18 Jahre ist für Unternehmen, vor allem aber für das schnelllebige Internet - eine lange Zeit. Welche anderen Unternehmen aus Österreich aus dieser Pionierzeit sind noch im Internet-Geschäft stark präsent?

Die meisten wurden aufgekauft, aufgelöst oder sind aus Österreich weg.

In der dot-com-Blase sind viele entweder verschwunden oder in den Bereich der Verwaltung und Finanzierung gewechselt.

Es gibt aber noch ein paar Onliner der ersten Stunde, die noch aktiv sind. Was etwa rund um Michael Eisenriegler entstanden ist, hat heute noch Bestand.

Ein paar von den alten Websites gibt es auch noch in Gründerhand, mit Seminar.at, Auto.At und ein paar weiteren sind wir hier aber wirklich früh dran gewesen und immer noch aktiv.

 

 

Mit tripple.net schaffen Sie für das Internet Content Services - welche Themen ziehen im Internet bei Ihrem Unternehmen unter Ihren Seitenbesuchern dabei am stärksten?

Aufgrund der Angebote sind das Business-Inhalte, redaktionell wie Service-Angebote, und natürlich die Themen rund um das Auto und Freizeit.

Die stärksten Seiten sind Auto.At und Style.at, vom Marktanteil relevant sind auch Journal.at und WebWizard.at. Rund 30 unserer Magazine sind von echter Bedeutung als Medium, knapp doppelt so viele werden aufgrund der einen oder anderen Besonderheit auch aktiv betrieben und bewirtschaftet. Sogar im Erotik-Bereich gibt es Angebote, aber auch im Technik-Umfeld und natürlich bei Web-Dienstleistungen.


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"Tripple selbst hat rund 2000 Domains registriert, ein Viertel davon wird im Web mit Inhalten gefüllt.

Die erste eigene Domain war eine privat im Studium benutzte .co.at-Adresse, die es nicht mehr gibt.

Die ersten noch in Betrieb befindlichen Domains dürften tripple.at, seminar.at und auto.at gewesen sein, wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht."

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Ihre Unternehmung besitzt eine Vielzahl an Domains (ad-locator.net nennt rund 300 Domains), die zur besseren Positionierung im Web auf Ihre Hauptwebsites leiten, was war denn Ihre allererste Domain? Und besitzen Sie diese noch?

Das ad-locator.net beinhaltet die vermarkteten Adressen, das sind eigene (ca. 30) und externe Websites ausreichender Größe und passender Zielgruppe. Dort wird also viel Aufwand mit Redaktion und Aktualität erwartet und passende Umfelder für die Werbung.

Tripple selbst hat rund 2000 Domains registriert, ein Viertel davon wird im Web mit Inhalten gefüllt.

Die erste eigene Domain war eine privat im Studium benutzte .co.at-Adresse, die es nicht mehr gibt. Die ersten noch in Betrieb befindlichen Domains dürften tripple.at, seminar.at und auto.at gewesen sein, wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht.

 

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...das Internet mit seinen Informations- und Kommunikationstechnologiemöglichkeiten ist der schnellst sich verändernde Bereich -
wie wird sich das Internet in den nächsten Jahren aus Ihrer Sicht wandeln?


Der Zugriff der Politik und des Staates wird unerträglich mehr, wenn sich da nicht bald wieder etwas an der Basis tut. Das droht die innovativen Kräfte im Web zu lähmen, gleichzeitig steht die Netzneutralität – auch so ein Erfolgsmodell des Internets – unter Druck durch die großen Telkos. Die Amerikanisierung in Werten und der Kultur ist auch so ein Thema, das uns durch Facebook und Google immer mehr droht. Da gibt es massive Baustellen, die große Änderungen bringen.

Ansonsten dringt das Web immer mehr in unser „real life“ vor. Mobile Nutzung, Verzahnung von Social Networks mit Transaktionen des täglichen Lebens und mehr steht da massiv an.

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"Für Österreich ist es der kleine Markt, der uns nicht wachsen läßt. Hätte ich das Unternehmen in den USA gegründet und skaliert, wäre Stand und Status ein anderer – logisch. Was Europa betrifft, sind es sicher auch die kleinen Märkte, die die Sprachen mit sich bringen, die hier Hürden bieten. Die EU bringt da aber schon Vorteile, wir bräuchten aber eine noch wesentlich einheitlichere Gesetzgebung, Besteuerung und Rahmenbedingungen, die uns in Europa einen gemeinsamen Markt bescheren."

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Im Internet sind amerikanische Startups bzw. US-Unternehmen oft bekannter als europäische Unternehmungen.
Was ist der Nachteil Europas gegenüber der USA im Internet?


Für Österreich ist es der kleine Markt, der uns nicht wachsen läßt. Hätte ich das Unternehmen in den USA gegründet und skaliert, wäre Stand und Status ein anderer – logisch.

Was Europa betrifft, sind es sicher auch die kleinen Märkte, die die Sprachen mit sich bringen, die hier Hürden bieten.

Die EU bringt da aber schon Vorteile, wir bräuchten aber eine noch wesentlich einheitlichere Gesetzgebung, Besteuerung und Rahmenbedingungen, die uns in Europa einen gemeinsamen Markt bescheren.

Wenn ich an den Abmahn- und Zensur-Wahn in Deutschland denke, ist nicht einmal der Sprung über die Grenze im gleichen Sprachraum für Österreicher besonders attraktiv.


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"Läßt man dem Web Spielraum, wird Werbung besser auf die Interessen der User zugeschnitten und passender – und damit auch weniger stark/auffällig aus der Sicht des Users.

(...) Effizienter und sinnvoller bleibt es, im Internet zu werben, da führt kein Weg dran vorbei."

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Als einer der ersten kommerziellen Chancenergreifer des Internets in Österreich und langjähriger Experte im Online-Marketing - was sind Ihrer Meinung nach die Zukunftstrends des Online-Marketings?
Wohin wird sich Online-Marketing in den nächsten Jahren entwickeln?


Trends sind hier eher an die gesetzliche Lage gebunden. Läßt man dem Web Spielraum, wird Werbung besser auf die Interessen der User zugeschnitten und passender – und damit auch weniger stark/auffällig aus der Sicht des Users.

Aktuelle Vorhaben aus der Politik versuchen eher das Gegenteil, d.h. Werbung würde weniger zielgenau und damit störender und im Volumen dem User gegenüber sogar mehr.

Effizienter und sinnvoller bleibt es, im Internet zu werben, da führt kein Weg dran vorbei.


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"(...) es gilt hier, heimischen Unternehmen im Internet keine Nachteile aufzubürden, wenn Österreich und die EU eigentlich Google und Facebook mit Datenschutz und anderen Methoden Schranken geben wollen.

Im Moment passiert nämlich genau Umgekehrtes: Die großen US-Konzerne werden nicht getroffen, die heimische Wirtschaft aber um so härter."

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Als Präsident des Internet Advertising Bureaus Austria setzen Sie sich für eine Förderung von Onlinemedien in Österreich ein.
Welche Akzente zur Stärkung der Onlinemedien werden dabei von Ihnen gesetzt?

„Wurden“, um genau zu sein. Ich bin zuletzt aus dem Präsidium ausgeschieden, weil meine Zeit und Kapazität nicht das Pensum zugelassen hat, das ich dort als notwendig erachte.

Ich war 5 Jahre Präsident, noch länger Vize-Präsident und den Rest im Vorstand – und da war es immer Priorität, das Internet als Werbemedium attraktiv zu machen, bekannter zu machen und Werbegelder in das Web zu holen. Standardisierung, eine einfache Zusammenarbeit und Gattungsmarketing waren da sicher die wichtigsten Arbeiten.

Meine Nachfolger arbeiten gerade am Lobbying in der Politik, um die Rahmenbedingungen passend zu halten. Auch das hat schon damals begonnen – es gilt hier, heimischen Unternehmen im Internet keine Nachteile aufzubürden, wenn Österreich und die EU eigentlich Google und Facebook mit Datenschutz und anderen Methoden Schranken geben wollen.

Im Moment passiert nämlich genau Umgekehrtes: Die großen US-Konzerne werden nicht getroffen, die heimische Wirtschaft aber um so härter.

 

 

/Add-on/

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"Die Autobranche ist im Umbruch, da bleibt kaum ein Stein auf dem anderen."

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Sie zeigen mit Auto.at ein starkes Interesse für Autos auf - wie wird sich die Automobilbranche in den nächsten Jahren wandeln?


Ganz schwierige Frage. Die Autobranche ist im Umbruch, da bleibt kaum ein Stein auf dem anderen.

So weit mein Einblick ist, dürfte es selbst dort, wo man es nicht vermutet, zu massiven Auswirkungen von Krise und Wandel kommen.

Einfacher wird es für Europäer nicht, aufgrund des Marktes, aufgrund der Politik und der wirtschaftlichen Lage auch. Wenn der Heimatmarkt der europäischen Marken und Zulieferer schon nicht läuft, wird deren Position in der Welt auch nicht gerade gestärkt. Und der Handel im Lande ist ohnehin ein weiteres heikles Thema, in dem noch viele Antworten offen sind.

 

Und selbst - welches ist Ihr Lieblingsauto und warum genau dieses Auto?


Noch so eine schwere Frage – die läßt sich auch nicht so ohne Weiteres beantworten. Insgesamt sind es eher die schweren Amerikaner, die es mir angetan haben. Die Sportler Asiens sind aber auch nicht zu verachten. In der Praxis hat sich mein Kombi für die Familie aber besser bewährt, als es Supersportler oder US-Boliden könnten.



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"Dabei ist die Fotografie ein guter Gegensatz zur Technik, wo man die Kreativität auf andere Art ausleben kann. (...)

Wann hat man schon die Möglichkeit, zwei Stockwerke eines Top-Hotels zu mieten, um für ein Männermagazin zu fotografieren? Oder 600 PS-Autos für das Automagazin abzulichten?"

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Was auffällt - viele Unternehmer liebäugeln mit künstlerischen Bereichen.
Mit imaginer.at sind Sie als Fotograf künstlerisch tätig - was reizt Sie am Fotografie-Bereich?

„Künstlerisch“ ehrt mich (zwinkert), geht wohl aber zu weit. Ich habe als Autodidakt in den ganzen Jahren viel gelernt und für meine Medien eingesetzt, die ja Foto und Video-Content in jeder Menge brauchen. Auch das Gewerbe habe ich angemeldet und arbeite für Kunden in Werbung, Business und Medien.

Dabei ist die Fotografie ein guter Gegensatz zur Technik, wo man die Kreativität auf andere Art ausleben kann. Dabei habe ich bei freien Projekten, die irgendwo auch die für die eigenen Medien sind, großen Spielraum in der Fotografie.

 

Und bei Aufträgen für Magazine und Kunden gibt es tolle Möglichkeiten für Locations, Technik (da ist sie wieder...) und Konzepten - Wann hat man schon die Möglichkeit, zwei Stockwerke eines Top-Hotels zu mieten, um für ein Männermagazin zu fotografieren? Oder 600 PS-Autos für das Automagazin abzulichten?

 

 

War die Fotografie bei Ihnen ein Interesse, das sich entwickelt hat, also z.B. ein Ausgleich zum Joballtag oder war diese von vornherein
betreff z.B. Onlinevermarktung auch angestrebt?

 

Ich fotografiere schon seit ich Jugendlicher war. Die Fotos für meine Websites mache ich zumindest zur Hälfte selbst, eher mehr sogar. Da merkt man schnell, dass Google zwar Textcontent mag, User aber auf Bildliches Wert legen.

Multimedialer Content wird auch immer wichtiger, hier Kompetenz zu haben, ist also wichtig.

Das eigene Fotostudio im Haus ist auch praktisch – wenn für Style.at wieder einmal eine Mode-Strecke ansteht oder ein Make-Up-Beitrag Material braucht, sind die Wege dorthin sehr kurz.

Dass das auch Spaß macht, insbesondere die Arbeit mit Menschen dabei, was im Internet manchmal etwas kurz kommt, ist auch klar.

Die Synergien in Werbung und bei Medien helfen natürlich, das auch wirtschaftlich zu betreiben.

 


Roland Kreutzer im Web (Auswahl):


/+/ Tripple Internet Content Services - Website
/+/ Ad-Locator.net - Website
/+/ Auto.at - Website
/+/ Imaginer.at - Website