Christian H. Leeb: Der Portfolio Entrepreneur über holistic business development, Startups, Business Angels und Investitionen, Unternehmertumkultur in Österreich, das Silicon Valley und die spannendsten Zukunftsthemen.

Christian H. Leeb - © Christian H. Leeb

 

 

 

"Ich denke, der Unternehmer des weiteren 21. Jahrhunderts wird weltweit vernetzt sein und vernetzt handeln. Damit einhergehend wird er transparenter, angreifbarer (im positiven wie negativen Sinn). Er wird technologieunterstützt und mobil arbeiten, er wird in ständiger Konversation sein, er wird wenig planen und steuern, weil das Geschwindigkeit raus nimmt und dennoch nicht mehr Klarheit und weniger Risiko bringt.

Er wird sehr achtsam mit sich und der Umwelt umgehen, sich und die Umwelt also nicht ausbeuten, er wird sehr auf eigene Energie und Zeit achten, das sind die Ressourcen, die nicht vermehrt werden können.

Wenn das Meer stürmischer wird, kommt es darauf an, gut zu segeln, in Bewegung zu bleiben, mit den Wellen mitzugehen, trotzdem sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, und nicht angsterfüllt mit wenigen Schwimmkenntnissen im Wasser herumzuschlagen."


(Christian H. Leeb)

 

 


/1/ Warum es spannend ist, Portfolio Entrepreneur zu sein, welche Startup-Unternehmen Christian H.Leeb interessieren.


/2/ Was Österreich vom Silicon Valley lernen kann, warum das Silicon Valley für Technologie-Startups so erstrebenswert ist und warum es für Gründer und Entrepreneure wichtig ist, Silicon Valley einmal selbst zu erfahren und zu spüren.

/3/ Was einen guten Entrepreneur auszeichnet, auf was Christian H. Leeb bei Startups schaut. An welchen Startups er sich beteiligen würde.

/Add-on: Privates/ Jazzflow: Was Startups und Jazz gemeinsam haben und warum Jazz ein einzigartiges, großartiges Erlebnis ist.

 

Christian H. Leeb ist im Startup Business seit über 10 Jahren tätig und hilft mit, dass neue Technologie bezogene Unternehmungen aufgebaut werden. Er ist ein Serial Entrepreneur, Business Angel, Business Developer und Web 3.0 Startup Accelerator. Im deutschen Sprachraum hat er einige Unternehmungen geschaffen und diese mit Ideen und visonären Gedanken bereichert und nun zieht es ihm ins Silicon Valley, wo von ihm weitere Startups mitgegründet werden. Nebenbei all den unternehmerischen Bestrebungen lehrt er an der Donau Universität Krems.

Christian H. Leeb: holistic business development mit Vorliebe für das Silicon Valley.

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/1/

"Ehrlich gesagt fühle ich mich gar nicht als Business Angel, sondern vielmehr als Portfolio Entrepreneur.
Ich befinde mich immer auf der selben Seite des Tisches wie die Gründer, bringe mich ein mit allem was ich kann und weiß.

Das ist auch der Kick, den ich brauche: etwas innovieren, gestalten, voranbringen, prägen.

Und ich muss das gleichzeitig mit mehreren Startups machen, sonst wird mir fad. Und es muss etwas sein, das die Welt besser macht, weltweit rasch wachsen kann und Kunden einen Mehrwert bringt."

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Sie sind als Business Angel in Österreich aktiv. Was ist der Anreiz am Dasein eines Business Angels?
Christian H. Leeb: Ehrlich gesagt fühle ich mich gar nicht als Business Angel, sondern vielmehr als Portfolio Entrepreneur. Ich befinde mich immer auf der selben Seite des Tisches wie die Gründer, bringe mich ein mit allem was ich kann und weiß. Das ist auch der Kick, den ich brauche: etwas innovieren, gestalten, voranbringen, prägen.
Und ich muss das gleichzeitig mit mehreren Startups machen, sonst wird mir fad. Und es muss etwas sein, das die Welt besser macht, weltweit rasch wachsen kann und Kunden einen Mehrwert bringt.

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/2/

"Die meisten, die ins Silicon Valley fliegen, machen Silicon Valley Tourismus. Und die zu Hause geblieben sind, glauben, dort warten alle auf uns und geben uns sofort einen Koffer voller Geld. Es ist zwar gut und interessant Facebook, Google und Apple zu besuchen, viel spannender ist es aber, im nächsten Starbucks zu pitchen oder auf ein Event zu gehen um sich mit anderen Entrepreneuren und Investoren auszutauschen."

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Sie haben einen starken Bezug zum Silicon Valley, das als Hub für Technologie Startups bekannt ist - was kann Österreichs Startup Kultur vom Silicon Valley lernen?
Die meisten, die ins Silicon Valley fliegen, machen Silicon Valley Tourismus.
Und die zu Hause geblieben sind, glauben, dort warten alle auf uns und geben uns sofort einen Koffer voller Geld.
Es ist zwar gut und interessant Facebook, Google und Apple zu besuchen, viel spannender ist es aber, im nächsten Starbucks zu pitchen oder auf ein Event zu gehen um sich mit anderen Entrepreneuren und Investoren auszutauschen.

"(...) All das ist auch der Grund, warum ich Firmen nur mehr im Silicon Valley gründe. So sind heuer schon sieben Firmen in Palo Alto entstanden, bis Jahresende werden es mindestens zehn, spätestens Mitte nächsten Jahres zwanzig sein."

Silicon Valley heißt für mich:
- innovatives Klima: mit jedem reden, Feedback sammeln, Leute kennenlernen
- großer, aufgeschlossener, technologie-affiner Markt
- viele potentielle Partner in geographischer Nähe
- viele Investoren, aber auch viel Konkurrenz ums Geld
- einfache und kostengünstige Art der Firmengründung

Ich meine: Jeder Entrepreneur muss mal zumindest einen Monat rüber, um zu verstehen, wie es ist. Das kann ich nicht erklären, das muss jeder selbst erfahren und spüren.

Vielleicht ein paar Punkte:
Hier in Österreich triffst du 10 Personen, die jeweils 10 Gründe nennen, warum dein Startup nichts werden wird. Es steht also 100 zu 1 und du bist als Entrepreneur schon auf der Verliererseite noch bevor du angefangen hast. Du bist im Rechtfertigungsmodus - und zwar nicht nur in Bezug auf deine Businessidee, sondern generell: warum du dir und deiner Umwelt das überhaupt antust, wo es doch anders viel leichter und Geld-mäßig erfolgreicher ginge, warum ausgerechnet du meinst erfolgreich zu sein, wo doch alle wissen, dass die Dropout-Quote riesig ist, etc.

Im Silicon Valley triffst du 10 Personen und alle denken mit, fragen nach, geben Tipps und reichen dich zu einem nächsten Kontakt weiter.Klar musst du dann schon was zu zeigen haben, sonst geht auch im Silicon Valley nichts - auch hier habe ich schon leidvolle Erfahrungen gemacht. Aber immerhin ist der Start mal unterstützend und inspirierend.

In Österreich wirst du als Spinner abgetan, im Silicon Valley gestaltest du Innovationen mit.
Wenn du in Österreich scheiterst bist du dein Leben lang gebrandmarkt, wenn du im Silicon Valley scheiterst, wissen alle, dass du deine Erfahrungen gemacht hast und du hast selbstverständlich deine nächste Chance.

In Österreich sind Firmengründungen kompliziert und dauern lange und kosten auch einiges, auch wenn jetzt das Stammkapital einer GmbH herabgesetzt ist. Im Silicon Valley habe ich in einer Woche eine Aktiengesellschaft mit 10 Millionen Aktien um maximal 1000 Dollar, es gibt Rechtsanwälte, die Geld viele Monate stunden und ins Risiko gehen und Banken, die anfangs keine Spesen verlangen.

Während ich in Österreich also eine GmbH gründe, hab ich im Silicon Valley mit dem selben Geld 10 Aktiengesellschaften in einem Drittel der Zeit.
Es ist schon klar, dass Unternehmen working capital brauchen, aber es ist halt ein Unterschied, ob ich das Geld in mein Produkt und in die Marktbearbeitung stecke oder in staatliche und staatsnahe Abgaben.

All das ist auch der Grund, warum ich Firmen nur mehr im Silicon Valley gründe. So sind heuer schon sieben Firmen in Palo Alto entstanden, bis Jahresende werden es mindestens zehn, spätestens Mitte nächsten Jahres zwanzig sein.

Christian H. Leeb - Gelebtes Unternehmertum.

Ein ganz wichtiger Tipp noch, wenn man ins Silicon Valley fliegt: die Österreicher drüben meiden! Mal auf ein Bier gehen und folkloristisch quatschen, Schwarzbrot- und Speckmangel diskutieren ist schon okay, aber es hilft dir nicht bei deinem Startup.

 

(...) Früher hab ich gedacht, dass Internet-basierte Businessideen von überall, also auch von Österreich aus umsetzbar sind, deswegen hab ich auch einige Unternehmen in Österreich mitgegründet. Ich habe 50 Jahre alt werden müssen um zu erkennen, dass das nicht stimmt. Österreich ist in Europa hinten, Europa hinkt den USA meilenweit hinterher."


Ihr Blog nennt sich "holistic business development" - der Untertitel dazu "deconstruct. innovate. start different. learn from my startup experience."
- Unternehmertum ist komplex und jeder Unternehmer lernt auch durch das tun. Worüber sagen Sie: "Das war eine Erkenntnis!"
- was war die wichtigste Erfahrung als Portfolio Entrepreneur, die Sie in den über 10 Jahren, die Sie im Startup Bereich nun tätig sind, bisher gemacht haben? Was würden Sie wiederholen, was besser machen?

Die wichtigste Erkenntnis ist, sich zu trauen, eine Businessidee zu denken, so schräg und scheinbar unmöglich diese auch ist und sich nicht von anderen, schon gar nicht von Familie und Freunden davon abbringen zu lassen, diese Idee auch umzusetzen.

Früher hab ich gedacht, dass Internet-basierte Businessideen von überall, also auch von Österreich aus umsetzbar sind, deswegen hab ich auch einige Unternehmen in Österreich mitgegründet. Ich habe 50 Jahre alt werden müssen um zu erkennen, dass das nicht stimmt. Österreich ist in Europa hinten, Europa hinkt den USA meilenweit hinterher.
Das ist meine zweite Erkenntnis.

Und meine dritte ist - und darauf zielt mein Blog ab - dass alles was ich bei Startups lerne bei bestehenden Unternehmen dringend angewendet werden muss. Das möchte ich auch gerne weitergeben. Leider sind aber viele Unternehmen so weit hinten und starr, dass ich nicht die Geduld aufbringe mich dahingehend zu positionieren und zu vermarkten. Außerdem will ich kein klassischer Consultant sein, der Anzahl der Tage und den Tagsatz maximiert, aber eigentlich nicht an Lösungen interessiert ist. Das maximiert zwar Geld, ist aber auch fad.

Was zeichnet aus Ihrer Sicht einen guten Business Angel aus?
Ich sehe zwei Möglichkeiten: Entweder er gibt rasch und unkompliziert Geld, mischt sich aber dann nicht ein. Oder er arbeitet mit, bringt seine Kontakte ein, unterstützt mit seinem Know-How. Das muss aber das Startup auch brauchen.
Gefährlich sind Business Angels, die meinen aufgrund des Geldes, das sie investiert haben, die Firma auch führen oder in eine bestimmte Richtung treiben zu müssen.

 

"(...) Generell wird die Crowd viele Dinge mithilfe der neuen technischen Möglichkeiten erledigen. Was wir hier sehen, ist nur die erste Morgenröte. Wenn Versicherungen alles tun um im Schadensfall nicht auszahlen zu müssen, wenn Banken keine Kredite geben, wenn Energiefirmen keine alternativen Energien unterstützen, wenn Politiker Geld verprassen und verzocken, dann wird die Crowd eben vieles wieder selbst in die Hand nehmen und neu umsetzen."

Sie befassen sich auch mit Crowdfunding - Was ist Ihre Position zum Thema Finanzierung über die Masse?
Ich finde das großartig! Generell wird die Crowd viele Dinge mithilfe der neuen technischen Möglichkeiten erledigen. Was wir hier sehen, ist nur die erste Morgenröte. Wenn Versicherungen alles tun um im Schadensfall nicht auszahlen zu müssen, wenn Banken keine Kredite geben, wenn Energiefirmen keine alternativen Energien unterstützen, wenn Politiker Geld verprassen und verzocken, dann wird die Crowd eben vieles wieder selbst in die Hand nehmen und neu umsetzen.

Josef Schodl, CEO von makerSQR, einem meiner Startups im Silicon Valley, bezeichnet Steuernzahlen an den Staat, als "Crowdfunding 1.0". Das sehe ich genauso: einfach Geld herzugeben, ohne dass man direkten Einfluss hat, was man da unterstützt, ist einfach nicht mehr aktuell.

Die Welle um Crowdfunding derzeit in Österreich finde ich eher amüsant. Wie Josef und ich das in Österreich vor einiger Zeit versucht haben zu erklären, sind wir ausgelacht worden - jetzt, nachdem die FMA sich mit Heini Staudinger anlegt, flattern alle Hühner von ihren Stangen.
Und es ist halt wieder wie immer in Österreich: es reden alle mit, nur nicht die, die sich auskennen. Die sich auskennen, werden parteipolitisch zugeordnet und missbraucht, weil ja in Wahrheit niemand wirklich was verändern will. Nach der Wahl wird das ganze verebben und kommt dann frühestens vor der nächsten Wahl wieder etwas auf den Tisch - vielleicht aber auch nicht, weil Österreich als Land der Pensionisten und Bewahrer und Medien-Einheitsbrei-Konsumierer damit sowieso nichts anfangen kann.

Sogar in Italien sind sie schon weiter. Hier kann man neuerdings in der Crowd auch in Startups investieren, also Crowdinvesting betreiben.

Welche Projekte haben Sie selbst schon über Crowdfunding finanziert?
Ich habe einiges bei kickstarter und bei indiegogo unterstützt. Genaueres kann man sehen, wenn man sich dort einloggt und sich mit mir vernetzt.

 

Weiterlesen: Christian H. Leeb - Der Portfolio Entrepreneur im Interview: Über Risiko und Risikokapital: "Ich denke, dass generell das Wort 'Risiko' überdacht werden muss."